Diagnose & Therapie

Diagnosemöglichkeiten

Um onkologische Erkrankungen festzustellen, und das möglichst früh, gibt es eine Reihe von diagnostischen Möglichkeiten, die sich nicht ausschließen, sondern aufeinander aufbauen. Alle Verfahren, die einen Einblick in den Körper geben, nennt man bildgebende Verfahren. Die erste Möglichkeit dazu gaben die um 1900 entwickelten Röntgengeräte. Heutzutage ist digitales Röntgen Stand der Technik. Weitere Techniken sind: Computertomographie, Kernspintomographie, Positronen-Emissions-Tomographie, Magnetresonanztompographie, Szintigraphie, Ultraschall-Diagnostik und Endoskopie.

Röntgendiagnostik (digitales Röntgen, CT)

Unterschiedliche Dichten absorbieren Röntgenstrahlen verschieden. So ist die Abbildung des Körperinneren möglich. Verschattungen oder Aufhellungen sind dabei für dagnostische Ansätze signifikant. Neben den klassischen, heutzutage meist digitalen Röntgenapparaten, gibt es die Computertomographie, die mehrere Schnittbilder zusammenrechnet und daher exaktere Bilder, gerade von Weichteilen, liefert. Da Röntgenstrahlen den Körper schädigen können, sind extrem kurze und nur nötige Anwendungen sinnvoll.

Radionukliddiagnostik (Szintigraphie, Positronen-Emissions-Tomographie)

Instabile Nuklide sind radioaktive Atome, die schnell zerfallen. Diese Nuklide werden als Radiopharmaka dem Körper verabreicht. Durch eine strahlungsempfindliche Kamera kann nun der radioaktive Zerfall aufgezeichnet werden und liefert aufgrund der bekannten Halbwertzeit genaue Aussagen über Aufenthaltsortort und Bewegungszeit des Nuklids. Wegen der Eigenschaft des Tracers (Radiopharmakum), sich an besonders stoffwechselaktiven Gegenden anzusiedeln, eignen sich radionuklidische Verfahren zur Ortung von Tumoren. Auch hier existiert eine gewisse Strahlenbelastung, die aber vernachlässigbar gering ist.

Ultraschalldiagnostik (Sonographie)

Wie mit einem Echolot kann man aufgrund der bekannten Dichtigkeiten und der Ausbreitungsgeschwindigkeit des Schalls verschiedene Bewegungen im Körper aufzeichnen. Gerade im Bauchraum, beispielsweise zur Pränataldiagnostik, ist dieses Verfahren sehr sinnvoll. Diese diagnostische Methode ist lokal und schnell durchführbar und hat keine nachweisbar schädigenden Einflüsse.

Kernspinresonanzdiagnostik (z. B. Magnetresonanztomographie)

Körpereigene Magnetfelder werden mithilfe von Radiowellen aufgezeichnet und liefern exakte Schnittbilder, die mithilfe von Computern zu räumlichen Projektionen verarbeitet werden. Mit einem Kontrastmittel werden die gleichen Körperregionen nochmals untersucht und ermöglichen sehr genaue Abbildungen der Gewebestrukturen. Dieses Verfahren unterliegt keiner Strahlenbelastung, da es auf elektromagnetischen Wellen basiert.

Endoskopie

Mithilfe lichtleitenden Glasfasern werden feinste Schläuche in den Körper eingeführt und liefern ein Echtbild der betrachtenden Regionen. Prominente Anwendung findet die Endoskopie als Darmspiegelung (Koloskopie). Kleinste Veränderungen können je nach Erfahrung des Arztes erkannt werden.

Laboruntersuchungen

Nachdem die diagnostischen Methoden zu einer Vermutung führen, werden Gewebeproben entnommen und per mikroskopischer Untersuchung auf verdächtige Veränderungen untersucht. Jetzt kann festgestellt werden, ob es sich bei dem Tumor um ein bösartiges Karzinom handelt. Jede mikroskopische Untersuchung sichert die Diagnose und stellt den Befund.

Therapiemöglichkeiten

Individuelles Tumorprofil

Individuelle Krebserkrankungen bedürfen oft einer noch genaueren Diagnostikmethode. Auch wenn die Therapie schon begonnen hat, kann es bei besonders seltenen Tumorerkrankungen oder sehr aggressiven Verläufen wichtig werden, Alternativmethoden zu suchen. Auf Molekülebene werden die Tumorzellen untersucht. Genetische Informationen werden ermittelt und zu einem Tumorprofil zusammengefasst. Ziel ist es, alle Biomarker, also alle Faktoren, die zum Wachstum und zur Ausbreitung der Tumorzelle führen, zusammenzufassen und zu berücksichtigen.

Therapieformen

Wurde ein Tumor diagnostiziert, der eine Therapie notwendig macht, werden verschiedene Therapieansätze und -formen besprochen. Nicht jede Therapie eignet sich für jeden Patienten. Daher ist es wichtig, den Befund so genau wie möglich zu stellen, um Fehltherapien zu vermeiden. Schneller Erfolg sichert auch eine höhere Heilungschance.

Operation

Die klassische Form der Beseitigung früherkannter Tumor ist die Resektion (die Entfernung). Gerade bei kleinen Tumoren in Brust, Lunge, Magen oder Darm, aber auch Haut, Eierstock und Gebärmutter ist diese kurative Operation sehr erfolgversprechend, da sie keiner nachfolgenden Behandlung bedarf. Mikroinvasive Operationen wie endoskopische Schnitte und Laserchirugie ermöglichen dabei eine lokal exakt definierte Operation, die den Körper schont.

Strahlentherapie

Die Wirksamkeit von radiotherapeutischen Maßnahmen liegt in der Fähigkeit gesunder Zellen, erbgutgeschädigte Zellen wieder zu reparieren. Tumorbefallene Zellen können dies nicht oder nur viel langsamer. Daher werden mithilfe eines Linearbeschleunigers Gamma-, Röntgen- oder Elektronenstrahlen punktgenau auf die betroffenen Gebiete geschossen und somit die Zellen getötet. Tote Zellen werden durch Makrophagen (körpereigene Fresszellen) vernichtet. Gesunde Zellen regenerieren sich. Eine neuere Form ist die Partikeltherapie, bei der Neutronen, Protonen oder schwere Ione geschossen werden. Eine höhere Strahlenkonzentration am Tumor ist somit gewährleistet. Eine weitere Möglichkeit ist die Afterloading-Therapie, bei der strahlende Objekte in den Körper platziert werden, die nur in der unmittelbaren Umgebung wirken. In Verbindung mit einem CT wird die Strahlungsdosis und der genaue Ort ermittelt und patientenindividuell eingerichtet. Mehrere Strahlungssitzungen führen dazu, dass sich das gesunde Gewebe schnell erholt und das kranke abstirbt.

Chemotherapie

Im Gegensatz zu Operation und Strahlungstherapie erreicht die Chemotherapie alle Regionen im Körper (Kopf nur bedingt). Zytostatische Medikamente fußen meist auf dem Prinzip der Zerstörung der DNA im Zellkern. Damit wird das Wachstum gehemmt und die Tumore getötet. Da aber auch gesunde Zellen betroffen sind, ist eine Beimedikation und genaue Beobachtung sehr wichtig. Der Vorteil ist, dass auch versteckte Tumorbildungen verhindert werden und Metastasierungen besser behandelbar sind. Bei Leukämie ist es daher die einzige Behandlungsform. Eine neoadjuvante Chemotherapie (also nach Operation und Strahlungstherapie) hat den Sinn, mögliche weitere Tumorherde zu beseitigen. Dennoch wird in den letzten Jahren gezielt an lokalen Chemotherapien gearbeitet, bei denen direkt am Ort des Tumorherdes zytostatische Lösungen appliziert werden. Forschungen beschäftigen sich mit vielen neuen Substanzen und Möglichkeiten. Besonders interessant sind hierbei die Prodrugs, die als “Vorstufen echter Arzneimittel” zu übersetzen sind. Sie bauen sich erst im Körper zu einer dem Tumor tödlichen Mischung um und werden somit vom Körper selbst der Tumorzelle zugeführt. Eine andere Form sind verpackte Zytostatika, die durch ihre Hülle länger im Körper transportiert werden können und somit erst am eigentlichen Bestimmungsort ihre tödliche Wirkung entfalten.

Molekularbiologische Therapie

Der Hintergrund erfolgreicher molekularbiologischer Therapien ist die zytologische Besonderheit der Tumorzelle. Jedes Zellwachstum wird durch eine Informationsvermittlung durch Liganden (Botenstoffe des Körpers) auf einen Rezeptor ausgelöst. Das Schlüssel-Schlüsselloch-Prinzip von Rezeptor und Ligand führt dazu, dass nur der richtige Ligand an den entsprechenden Rezeptor Informationen weiterleiten kann. Die Tumorzelle ist aber mit relevanten Rezeptoren übersät und leitet dadurch beständig die Information ins Innere der Zelle, sich zu vermehren. Um das zu verhindern greifen in der molekularbiologischen Therapie Wirkstoffe, die die Rezeptoren blockieren, so dass keine Liganden mehr andocken können. Weitere Wirkstoffe richten sich gegen die Liganden selbst. Durch die genetische Veränderung verändern sich auch die Eigenschaften des tumorbelasteten Gewebes. Auf der Oberfläche gibt es jetzt unzählige Empfänger, die Substanzen binden können, die der Zelle Wachstumsbefehle senden. Daher wächst und wächst die Zelle. Nun gibt es gezielte Medikamente, die diese Vielzahl von Empfängern ausschalten oder einfach nur belegen. So können weit weniger Informationen zum Wachstum in die Zelle gelangen. Das Gewebe wuchert nicht mehr.

Stammzelltransplantation

Bei schwerwiegend karzinogenem Befall oder Versagen chemo- oder strahlungstherapeutischer Verfahren ist die Transplantation von Knochenmark und/oder Blutstammzellen oft die einzig lebensrettende Möglichkeit. Besonders bei AML (akute myeloische Leukämie) findet dieses Therapieform häufige Anwendung. Im Blut finden sich die Stammzellen, aus denen sich das Knochenmark entwickelt. Das Knochenmark ist der Blutbildungsort des Körpers. Hier entsteht die Ganzheit aller roten und weißen Blutkörperchen. Diese Therapie baut zweistufig auf eine Hochdosischemotherapie, die mit vielfacher Dosierung arbeitet, und eine darauffolgende Transplantation auf. Vor Beginn wird dem Körper operativ gesundes Knochenmark entnommen oder bei komplettem karzinogenem Befall Spenderknochenmark bereitgestellt. Dann werden mithilfe einer um vielfach höheren chemischen Dosierung und begleitenden Strahlung alle gesunden und kranken Zellen des betroffenen Gewebes, auch das Knochenmark, zerstört. Erst danach wird gesundes Knochenmark transplantiert und ein neues, gesundes Blut aufgebaut. Nach drei bis sechs Wochen haben sich die Blutwerte wieder stabilisiert. Wenn keinerlei krankes Gewebe zurückbleibt, kann der Patient als geheilt betrachtet werden. Sowohl die extreme medikamentöse Belastung als auch die medikamentös unterdrückte Immunantwort auf neue Stammzellen führt dazu, dass der Körper sehr infektionsanfällig ist und nur in entsprechenden Sterileinheiten untergebracht werden kann. Spätfolgen können Unfruchtbarkeit, Katarakt (Grauer Star) und verschobene Wechseljahre sein. Auch ein erneutes Tumorwachstum ist nicht ausgeschlossen.

Hyperthermie

Bei einigen schwerwiegenden Krebserkrankungen empfiehlt sich eine Hyperthermiebehandlung. Bei ihr werden die betroffenen Körperregionen mithilfe von elektromagnetischen Wellen über eine Stunde lang bis zu 44 Grad Celsius erwärmt. Dies geschieht über antennenartige Applikatoren, die in die Tumore oder in deren Nähe geleitet werden. Erhöhte Hitze wirkt im Körper zytotoxisch, tötet also Zellen ab und sorgt für eine größere Durchblutung, was wiederum das Gewebe aufnahmebereiter und reaktionsschneller für Medikamente macht. Demzufolge sind Hyperthermiebehandlungen nicht monotherapeutisch, sondern bedingen eine Chemo- bzw. Strahlentherapie. Es gibt verschiedene Verfahrensmöglichkeiten. Sie sind meistens wesentlich nebenwirkungsärmer und führen nur bedingt zu Schmerzen. Die Aussichten hyperthermischer Erfolge sind wissenschaftlich nicht nachgewiesen, so dass deren Therapie auch nicht von den Krankenkassen bezahlt werden. Es gibt den Verdacht, dass bei einigen Fällen Tumore zu Metastasierungen angeregt werden. Die therapeutischen Möglichkeiten sind nicht von Dauer, stellen aber in ihrer unmittelbaren Verbindung zu anderen Maßnahmen eine erneute Chance zur Bekämpfung des Krebs’ dar. Die Methode zählt zu den komplementären Behandlungsmethoden

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