Vorsorge

Bei der Vorsorge sollen Krebserkrankungen idealerweise bereits im gutartigen Vorstadium erfasst werden oder im frühen Stadium erkannt werden (Früherkennung).

Onkologie

Die Vorsorge ist eine wichtige Maßnahme zur Krebsvermeidung oder Früherkennung von Tumoren. Bei frühzeitiger Entdeckung der Tumorerkrankung kann nicht selten der Krebs geheilt werden. Da es aber für die Betroffenen nicht immer leicht ist, gewisse Symptome einzuschätzen, ist eine regelmäßige ärztliche Untersuchung notwendig.

Darmkrebs

Bei Früherkennung können mehr als 90% aller Erkrankungen geheilt werden. Daher ist gerade bei fortgeschrittenem Lebensalter eine Vorsorgeuntersuchung wichtig und wird auch von der Krankenkasse getragen. Der Darmkrebs fordert allein in Deutschland mehr als 30.000 Tote im Jahr. Drei diagnostische Maßnahmen sind relevant:

  • Die klassische Tastuntersuchung untersucht den Enddarm. Die am After gelegenen Enddarmkarzinome können somit frühzeitig in der Entwicklung erkannt werden.
  • Der Okkultbluttest bezeichnet den Abstrich des Stuhls, der auf verstecktes (daher der Name) Blut untersucht wird. An drei aufeinanderfolgenden Tagen wird eine Stuhlprobe entnommen (zu Hause möglich) und im Labor untersucht. Bei positivem Befund schließt sich eine Darmspiegelung (Koloskopie) an, eine rektal-endoskopische Untersuchung, die sowohl Tumore erkennen als auch entfernen kann.
  • Die wichtigste Präventionsmaßnahme ist die Darmspiegelung, die ab dem 40. Lebensjahr empfohlen und ab dem 55. Lebensjahr von der Kasse bezahlt wird. Eine fachgerechte Durchführung ist nur wenig schmerzhaft. Die Darmspiegelung ist wichtig bei der Erkennung von Gewebeänderungen und Polypenbildungen, die Tumore ausbilden können.

Brustkrebs

Jährlich erkranken etwa 72.000 Patientinnen (Stand RKI, 2008) an Brustkrebs. Die Erkrankung kommt aber auch (deutlich seltener) bei Männern vor (520 Fälle pro Jahr, RKI 2008). Die Sterblichkeit ist nicht gering (etwa 25 von 100.000 Menschen), doch kann sie durch Früherkennung stark vermindert werden.

  • Eine kostenlose und selbst durchzuführende Untersuchung ist das Abtasten der Brust. Am besten ist diese Methode am Ende der Periode unter der Dusche anwendbar. Bilden sich Knötchen? Sind Veränderungen im Gewebe zu bemerken? In diesem Falle ist der Besuch beim Gynäkologen ratsam.
  • Die Mammografie ist eine Röntgenuntersuchung des Brustbereichs. Verschiedene Methoden und Möglichkeiten können in der Arztpraxis individuell besprochen werden.
  • Die Krankenkasse übernimmt ab dem 50. Lebensjahr die Kosten einer solchen Untersuchung. Bei ähnlichen Vorfällen in der Familie ist aber eine weit frühere Untersuchung ratsam und wird auch von der Kasse getragen.

Prostatakrebs

In Deutschland erkranken pro Jahr über 30.000 Männer an Prostatakrebs, meist im Alter über 60 Jahre. Und ca. 40% davon sterben daran. Aber auch hier gilt:

Früherkennung kann die Überlebenschance immens erhöhen.

  • Auch hier ist das zunehmende Alter zu berücksichtigen. Ab Mitte 40 sollten Männer zu einer rektal-digitalen Vorsorgeuntersuchung gehen. Unter anderem erfolgt sie durch eine Tastuntersuchung und einen Urintest.
  • Eine andere Möglichkeit ist der PSA-Test, der eine Blutuntersuchung darstellt. PSA bedeutet: ProstataSpezifisches Antigen. Der Wert dieses Proteins gibt Auskunft über Entzündungsherde im Körper. Jedoch wird die Aussagesicherheit kontrovers diskutiert.

Gebärmutterhalskrebs

Diese Krebsart ist bei rechtzeitiger Erkennung häufig heilbar. Dennoch sterben immer wieder viele Frauen an dieser Krankheit. Vorsorgemaßnahmen sind auch hier unerlässlich.

  • Beschwerden wie Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr und nach Belastungen wie Rad fahren, Reiten oder hartem Stuhlgang sollten unbedingt ernst genommen werden und den Gang zum Arzt auslösen.
  • Der nach dem griechischen Arzt George Papanicolaou benannte Test, PAP-Test, untersucht mittels Abstrichen den Gebährmutterhals und den Muttermund auf HPV-Viren, die als Auslöser bösartiger Tumore gelten.
  • HPV-Viren sind vor allem durch Sexualverkehr übertragbar und können das Zervixkarzinom hervorrufen.
  • Die Kosten für für einen PAP-Test werden schon ab dem 20. Lebensjahr übernommen.

Lungenkrebs

Diese Krebsart ist eine mit hoher Sterblichkeit verbundene Erkrankung. Schuld daran ist zum einen der aggressive Verlauf und zum anderen die oft zu späte Diagnose, die eine kurative Operation nicht selten verhindert. Ursachen sind vor allem das Rauchen und der Umgang mit asbesthaltigen Stoffen. Eine generelle Vorsorge ist derzeit nicht etabliert. In bestimmten Fällen kann aber für besondere Risikogruppen eine regelmäßige Computertomografie mit reduzierten Strahlenintensität eine Option sein.

Alarmzeichen:

  • Chronischer unproduktiver Husten, Hämoptysen (blutiges Sputum), unklare Brustkorbschmerzen, unklarer Gewichtsverlust, allgemeine körperliche Schwäche oder unklare Fieberschübe sind allesamt keine spezifischen Zeichen, können aber Hinweis auf eine Lungenkrebserkrankung sein.

Diagnostik:

  • Eine weiterführende Untersuchung geschieht mithilfe einer Röntgenaufnahme der Lunge. Kleine Rundherde werden aber darauf oft nicht erkannt. Im Zweifel oder weiterhin hartnäckigen Symptomen muss eine Bronchoskopie (Lungenspiegelung) und eine Computertomografie der Lunge angeschlossen werden.

Magenkrebs

Im Gegensatz zu Hautkrebs nimmt die Anzahl der Neuerkrankungen an Magenkrebs ab. Dennoch ist die Mortalitätsrate hoch. Nitrosamine, die in vielen Lebensmitteln enthalten sind, stehen in Verdacht, Magenkarzinome zu begünstigen. Dagegen ist die natürliche Aufnahme von Ascorbinsäure (Vitamin C) durch Obst eine hilfreiche Gegenmaßnahme. Eine Früherkennung ist eigentlich nicht möglich.

  • Anzeichen können u. a. sein: beständiges Völlegefühl, Oberbauchbeschwerden, Mundgeruch, Blähungen, Appetitlosigkeit, unklarer Gewichtsverlust und schwarzer Stuhlgang.

  • In der Praxis wird bei anhaltenden Beschwerden eine Stuhl- und Blutuntersuchung durchgeführt sowie eine Ösophagogastroduodenoskopie („Magenspiegelung“) veranlasst und Gewebeproben entnommen. Weitere Untersuchungen bei Diagnose eines Magenkarzinoms schließen sich an (Ultraschall des Bauches, Endosonografie des Magens, ggf. Kernspintomografie)

Hautkrebs

Trotz Intensiverung der Gesundheitsaufklärung beim Thema Hautkrebs steigt zunehmend die Zahl der Neu-Erkrankungen. Der schwarze Hautkrebs ist jedoch meistens, wie bei fast allen anderen Krebsarten, bei rechtzeitiger Feststellung heilbar. Als Vorsorgemaßnahme ist die Selbstbeobachtung äußerst wichtig. Dabei gilt die ABCD-Regel, die es ermöglicht, Hinweise auf eine negative Veränderung wahrzunehmen:

  • A wie Asymmetrie: neue Hautflecken haben keine runde oder ovale Form, sondern sind ungleichmäßigen Umfangs
  • B wie Begrenzung: Die Ränder sind gezackt, ausgefranst oder nicht genügend konturiert. Dunkle Stellen wachsen in gesunde Hautpartien.
  • C wie Colour (engl. für Farbe): Die Flecken weisen verschiedene Färbungen auf, rosa bis grau, schwarz bis violett. Die Färbung ist ungleichmäßig und u. U. gepunktet.
  • D wie Durchmesser: Die Änderung der Größe eines Hautflecks sollte beachtet werden. Vergrößerungen sind alarmierend.
  • E wie Evolution: Alle Veränderungen auf der Haut sollten genau beachtet werden. Dazu zählen Farbe, Form und Anzahl der Hautpigmentvarianten.

In der Praxis werden bei Verdacht auf Hautkrebs Gewebeproben von den betreffenden Stellen entnommen und auf maligne Melanome untersucht.

Hämatologie

Die Hämatologie befasst sich mit den Erkrankungen des Blutes. Diese sind vielfältig.

Anämie

Die Blutarmut bezeichnet einen Mangel an roten Blutkörperchen (Erythrozyten) bzw. einen Hämoglobinmangel (roter Blutfarbstoff). Leistungsabfall, Blässe und Ohrgeräusche können auf eine Anämie hindeuten. Der Gang zu uns in die Praxis ist sehr wichtig und sollte schnell erfolgen. Oft verbergen sich hinter den oben beschriebenen Symptomen komplexere Erkrankungen.

Leukämie

Der Blutkrebs ist gekennzeichnet durch die unkontrollierte Vermehrung von weißen Blutkörperchen.

  • Chronische Leukämien beginnen nur schleichend. Ermüdung, Unwohlsein, Fieberanfälle, nächtliches Schwitzen und Gewichtsabnahme können auftreten. Hier sollte der Arzt konsultiert werden.

  • Akute Leukämien treten deutlich schneller in Erscheinung auf und sind oft mit einem schweren Krankheitsverlauf einhergehend. Bei akuter Blässe und Schwächeanfällen, vermehrten Hämatomen sowie einer erhöhten Anfälligkeit von Infektionen und hohem Fieber sollten Sie unbedingt unsere Praxis aufsuchen Blutkrankheiten weisen ein sehr vielschichtiges Symptombild auf, so dass die Symptome oft nicht sofort erkannt werden.

Hilfe der Angehörigen

Jede Unsicherheit bezüglich komplexer Erkrankungen führt zu Unsicherheit und Angst.

Daher ist es für die Angehörigen wichtig, sich schon frühzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen. Selbstuntersuchungen gehören zu den wichtigsten Möglichkeiten, frühzeitige Veränderungen wahrzunehmen und dadurch die Heilungschancen erheblich zu erhöhen. Demzufolge sind gemeinsame Voruntersuchungen wichtig und unterstützen den Abbau von Angst und Zweifel im Vorhinein.

Angehörige sollten demzufolge nicht rauchen oder andere Risiken wie ausgedehnte Sonnenbäder nehmen, wenn das Krebsrisiko des Partners, Kindes oder Elternteil hoch ist und dementsprechende Vorsorgemaßnahmen getroffen werden. Eine “Risikogruppe Krebs” gibt es nicht, so dass jeder Interesse an einer frühzeitigen Vorsorgeuntersuchung haben sollte. Ein Raucher riskiert seine Gesundheit stärker als ein Nichtraucher, regelmäßige Solariumbesuche belasten die Haut stark und beständige Aufnahme von Alkohol und ungesunden Nahrungsmitteln können sich ungünstig auf die Gesundheit auswirken. Das sind Tatsachen, die aber nicht den Umkehrschluss zulassen, dass Menschen, die sich gesund ernähren, nicht rauchen und keine alkoholischen Getränke zu sich nehmen risikofrei sind.

Daher ist für jeden Menschen die Vorsorge wichtig. Gewisse Berufsgruppen sind prädestiniert für hohe Risiken, so z. B. Menschen, die als Lackierer, Maler, Asbestsanierer etc. arbeiten. Nachweisbar krebserregende Stoffe lassen das Risiko, an Lungen- oder Magenkrebs zu erkranken, deutlich ansteigen. Angehörige sollten hier die Vorsorgeuntersuchungen mitbegleiten. Risikogruppen sind auch geschlechtsspezifisch. So ist es für Ehepartner sehr wichtig, jeweilige Routineuntersuchungen hinsichtlich Brustkrebs oder Prostatakrebs zu unterstützen.

Angehörige sind nicht nur Mitleidende, sondern auch Antrieb und Motivatoren für die Gesundheitspflege.

Gerade bei der Vorsorge verschiebt man gerne die Termine immer wieder nach hinten. Gesundheit ordnet sich oft der Zeit unter. Hier können Angehörige helfen. Angst und Zweifel sind sehr private Sorgen, die man nur im engsten Kreis besprechen und mittragen kann.

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